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DAS HARTE GESCHÄFT

DAS HARTE GESCHÄFT

Der bei Lasa Marmo gewonnene weiße Marmor ist buchstäblich ein Stück Südtirol für die Welt. Das aktuell spektakulärste Bauwerk aus eben diesem besonders hartem Marmor steht in New York am Ground Zero, die Oculus Station in Süd Manhattan, wo einst die Twin Towers standen. Auch der Pallas Athene Fountain vor dem Parlament in Wien oder das Queen Victoria Memorial Memorial vor dem Buckingham Place in London sind aus diesem erhabenen Vinschgauer Gestein.

Wir durften die Produktion besuchen und den Bruch besichtigen. Dabei wollten wir natürlich der Frage nachgehen: Wie viel Handarbeit steckte damals und steckt heute im Umgang mit dem weißen Marmor?

Das Marmorwerk in Laas direkt an der Etsch allein ist eindrucksvoll, wenn die Sonne scheint und der Marmor strahlt – und dort geschieht immer wieder ein logistisches Meisterwerk. So werden die geschnittenen Marmorplatten, die für komplexe Bauvorhaben vorgesehen und auf Maß geschnitten sind, gescannt und können dann am Computer vollkommen digital für die Kunden-Projekte verplant werden. Anschließend wird alles in umgekehrter Reihenfolge in Container „verpackt“, damit die Platten am Bestimmungsort richtig herum ausgepackt und direkt verbaut werden können.

Natürlich haben längst Maschinen jeden Arbeitsschritt erleichtert. Schon der Gesundheit wegen, aber natürlich auch der Ökonomie wegen. Das Sägen in Platten und das Polieren der selbigen, das Ausfräsen von bestimmten Formen. Bei der Feinarbeit kommen Schleifmaschinen, die in Händen gehalten werden, zum Einsatz. Dennoch: ein Steinmetz und übrigens auch die Steinmetzin, die bei Lasa Marmo seit 20 Jahren den Schleifer schwingt, haben alle von Hand, mit dem Meißel, ihre Ausbildung angefangen. Die Härte des Materials gibt allerdings die maschinelle Bearbeitung vor. Alles andere ergibt hier keinen Sinn.  

Untertage auf 1500 Metern Höhe

Der Steinbruch, in dem seit über 100 Jahren der Laaser Marmor gebrochen wird, liegt auf über 1500 Metern inmitten des Nationalparks Stilfser Joch. Der Anblick ist atemberaubend, egal, ob man nur von der naturgewaltigen Ästhetik des Gesteins fasziniert ist oder die Kühnheit der Brucharbeiter – und seit 2021 auch die erste Brucharbeiterin – bewundert, die hier das weiße Gestein aus dem Bruch heben.

Die Spuren an den Wänden, die in den Bruch hineinführen, sind schon Zeugnis der Geschichte. Die ersten Meter weisen fast zarte Spuren auf, hier wurden ganz am Anfang von Hand verhältnismäßig kleine Blöcke fast ausschließlich für Bildhauer geschlagen. Vor allem die Habsburger in Wien ließen sich in den strahlend weißen Marmor meißeln und diese Statuen in Ihrem Reich aufstellen. Danach folgen vertikale „Kanäle“, welche auf den Einsatz von Bohrhämmern, ebenfalls von Hand bedient, schließen lassen.

Es folgte dann eine Zeit, in der man sich in den Berg hinein sprengte. Das war gefährlich, teuer und dazu recht ineffizient, da der Marmor immer wieder schaden nahm. Heute werden Spalten in den Marmor im benötigten Maß gesägt, in einem Spalt wird dann ein Metallkissen eingequetscht. Wenn dieses an seiner Stelle sitzt, wird es mit Hochdruck mit Wasser gefüllt, bis der Stein nachgibt. So liegt der Block an drei Stellen frei. Nun fehlt nur noch das Lösen von der dahinter liegenden Wand. Dazu kommen Diamant-bewährte Stahlseile zum Einsatz, die mittels Umlenkrollen hinter den Marmorblock gelangen und die Rückseite vom Berg lösen.

Die Blöcke werden dann per LKW ins Tal befördert. Die Kubikmeterzahl, die pro Jahr gehoben werden darf, ist beschränkt, sodass noch Folgegenerationen hier den weißen Marmor brechen dürfen.

In den Bruch kann man leider nicht, aber touristische Marmorführungen bis vor den Eingang bietet der Verein Marmorplus an.

Führungen:
http://marmorplus.it/marmor-erlebnistour/

https://www.lasamarmo.it/
https://www.instagram.com/lasamarmo/

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