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Eine lebenslange Liebesaffäre

Eine lebenslange Liebesaffäre

Oftmals sind es die Zufälle, die dem Leben eine entscheidende Wendung geben. Ernst Gamperl wollte eigentlich Schreiner werden und kam dann eher zufällig zum Drechseln. Damit aber begann eine lebenslange Liebesaffäre zwischen ihm und dem Holz. Er beginnt als Autodidakt und schafft sich so von Beginn an die Freiräume, die es braucht, um sich unvoreingenommen mit einem Thema auseinanderzusetzen und Neues entstehen zu lassen.

Gamperls Skulpturen sind nicht einfach nur gedreht. Sie sind das Ergebnis einer langen, intensiven Auseinandersetzung mit dem Werkstoff Holz und ein ständiger Dialog. Was will das Holz, wo verformt es sich, wo gibt es Risse und Unregelmäßigkeiten – all das fließt in den Gestaltungsprozess seiner Holzgefäße mit ein, deren natürliche Ausdruckskraft er anschließend noch verstärkt. Etwa durch Wachsen und Polieren, Herausbürsten der Adern oder Einschneiden feinster Rillen oder eine Kontrastierung der verschiedenen Flächen gegeneinander.

Zum Beil greift Gamperl jedoch nicht. Stattdessen verwendet er Stämme, die dem Wind nicht standgehalten haben oder aus einem anderen Grund weichen mussten. Seine Skulpturen werden weltweit ausgestellt. Wer mag kann ihn aber auch im Atelier in Steingaden besuchen. Unbedingt vorher anrufen.

Fotos: Bernhard Spöttel