Eine spannende Kooperation

Allein die Gold-Auszeichnungen für den Käse der Hofkäserei Englhorn, sprechen für sich: „International organic cheese award“, „Italian cheese award“, „World cheese award“ und eine Goldmedaille bei der „Olympiade der Käse“.

Viel bemerkenswerter als der goldene Schein ist jedoch die Haltung hinter dem Sein – und die Historie der Hofkäserei Englhorn: Als die Käserei aus „hygienischen“ Gründen (nicht, dass sie vorher unhygienisch war), also EU Richtlinien entsprechen sollte, neu gebaut werden musste, schlug Alexander Agethle den Nachbarn einen Deal vor. Wer 500 Euro gibt, bekommt zehn Jahre lang jedes Jahr einen Gutschein für Käse, Milch und Butter in Höhe von 50 Euro. Da Alexander nicht nur einen guten Leumund hatte, sondern auch sein Konzept des ganzheitlichen biologischen Kreislaufs überzeugte, waren schnell nicht nur unmittelbare Nachbarn zu „Investor*innen“ geworden, die nun als „Aufsichtsrät*innen“ die Qualität ihrer Käserei im Auge behalten.

Ein Kreislauf hat viele Stellschrauben

Alexanders Grundgedanke dabei: Nur ein gesunder Boden bringt auch gesunde, vielfältige Pflanzen hervor. Wir haben das schon bei Alois Lageder gelernt: Wird der Boden von Tieren beackert und gemäht, vermehren sich die Pflanzen und in Konsequenz die Insektenarten. Schädlinge werden dabei weniger und Nützlinge vermehren sich. Wir wissen ja alle aus Schule und Medien, dass die Natur in Kreisläufen funktioniert. Guter Boden macht gutes Futter. Gutes Futter macht guten Dünger und ergibt zum Beispiel gute Milch und gutes Fleisch. Gut definiert sich so: Schmackhaft und schadstofffrei.

Sind bei der Wahrnehmung mehrere unserer Sinne involviert, erkennen die meisten von uns ein Original selbst dann, wenn man ein Leben lang nur das Imitat gekannt hat. Die Milch duftet, ist weicher und cremiger, sieht dicker aus. Beim Duft sind es vor allem erdige und Heu-Noten. Und da man aus schlechter Milch keinen guten Käse machen kann, ist deren Qualität wie hier bei Englhorn entscheidend für den Käse.

Logisch, nicht ideologisch. Englhorn und Lageder kooperieren seit vielen Jahren

Eine spannende Kooperation entstand zwischen Alois Lageder in Margreid und der Hofkäserei Englhorn schon vor vielen Jahren, erzählt Alexander Agethle: „Wir weiden unsere Jungtiere in den Weinbergen der Familie Lageder. Dies im Winter. Eine tolle Kooperation, die es uns ermöglicht, die weiblichen und meist auch die männlichen Nachkommen zu behalten und der Familie Lageder die Möglichkeit bietet, den tierischen Impuls in die Weinberge zu bringen. Mittlerweile werden unsere Stiere kastriert und verbringen bis zu 4 Jahren in den Weinbergen. Gemeinsam schlachten wir diese und vermarkten das Fleisch. Im Sommer kommen alle Tiere auf die Alm. Eine spannende Geschichte, die schon seit 10 Jahren aufzeigt, wie lokale Ressourcen besser genutzt werden können.“

Anmerkung: Schleis im Vinschgau liegt etwas höher als 1000 Meter über dem Meeresspiegel; Margreid an der Weinstraße hingegen auf circa 240 Meter ü. NN. Im Winter macht das einen Unterschied von ca. 10°C (oder: den Stall energie-aufwendig zu heizen – oder eben nicht).

Diese Naturkost von Englhorn, die übrigens auch zwei ursprüngliche Sorten Getreide (wieder) anpflanzen, nebst artgerechter und würdiger Viehhaltung, ergibt, gepaart mit Sorgfalt, Erfahrung und Leidenschaft, ein gutes Produkt.

Zumindest nach Südtirol muss man schon hinfahren, wenn man die ausgezeichneten Käse kaufen möchte. Im eigenen Hofladen in Schleis, kurz unterhalb des Reschenpass, oder bei Naturalia oder PUR in Meran. Es lohnt sich, zumal der Engelhorn-Käse nicht in ferne Länder exportiert wird (dazu ist er zu gut!).