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Eingang zur Unterwelt

Eingang zur Unterwelt

Straßennamen verraten viel über die einstige Nutzung der Viertel. Schwere Reiter-, Lazarett- oder Infanterie-Straßen geben Hinweis auf Militärkasernen, die sich hier befanden. Gleich südlich davon befand sich das Gießereien-Viertel (Erzgießereistrasse), da Gusserzeugnisse in Form von Lafetten, vorwiegend im Militär ihre Abnehmer fanden. Hier befand sich die Königliche Erzgießerei, in der auch Münzen und Herrschaftssymbole, wie antike Statuen gegossen wurden.

Nur einen Steinwurf von Stiglmaierplatz befindet sich die einzig aktive Gießerei dieses Viertels, die vom männlichen Teil der Familie Gögtepe —Vater Hasan und den Söhnen Aslan und Selim – als Kunstgießerei betrieben wird. Handwerk und Kunst gehen hier Hand in Hand. Diese über 100 Jahre alte Gießerei befindet sich im Hinterhof eines Mietshauses in der Schleißheimer Strasse. Über die Wachserei, in der Gussformen vorbereitet werden, gelangt man in die Gusshalle. Wenn dort der Ofen glüht um Bronze, Silber oder Aluminium zu verflüssigen und der waagrecht auf der Hitze zu schweben scheinende Deckel gehoben wird, wirkt es wirklich wie der Eingang zur Unterwelt.

Der in ewiger Zufriedenheit an der Münchner Freiheit sitzende Franz Münchinger, pardon Helmut Fischer wurde hier nach Entwürfen des Münchner Künstler Nikolai Tregor gegossen. Sein Freund und Regisseur Helmut Dietl ebenso. Bald sind sie wieder an der Münchner Freiheit vereint.

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