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In den Wald hinein

In den Wald hinein

Monatelang liegt Schnee in den Bergen, bis im Frühjahr alles schmilzt und zu Tale fließt. Dann ist die Zeit für Christoph Finkel gekommen knorriges Bergholz zu bergen. Er steigt durch das Gebirge, auf der Suche nach umgestürzten Bäumen, um daraus riesige Schalen und Objekte zu drechseln. Der Bad Hindelanger Christoph Finkel, der quasi in der Schlittenbau-Werkstatt seines Vaters aufwuchs, ist heute als Künstler und Bildhauer in Galerien in Südkorea, den USA, Skandinavien, der Schweiz und in München dauerhaft vertreten.

Vom reinen Handwerker unterscheidet ihn der Auftrag. Er hat nämlich erst mal keinen. Suche und Auswahl des Stammes in der Natur, der abenteuerliche Transport, die Frage der Lagerzeit, das Drechseln des Stammes, die Imagination, was aus diesem nie perfekten, teils verwitterten und voller Überraschungen steckendem Stück Stamm genau werden soll – all das kann im Bruchteil einer Sekunde, mit einer falschen Bewegung oder einer Fehleinschätzung darüber, wie sich das Holz wohl verhalten wird, schlagartig für die Katz‘ sein. Welcher stolze Handwerker würde dieses Risiko schon eingehen?

Seine skulpturalen Gefäße und Schalen sind von zeitloser, kosmischer Eleganz und flehen geradezu darum, in wechselndem Licht gebadet zu werden. Sehen und berühren kann man seine Exponate in Bad Hindelang, wo der Weltreisende seine Wurzeln und Heimat hat.