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Micheles Homage an Maniago – Das Solingen Italiens

Micheles Homage an Maniago – Das Solingen Italiens

Alain Ducasse, René Redzepi, Virgilio Martínez Véliz und Fulvio Pierangelini haben nicht nur unzählige Michelin Sterne gemeinsam, sie sind allesamt Superstars der internationalen Restaurant Welt: Aber wie schneiden sie eigentlich Ihr Fleisch und Gemüse?

Michele Massaro ist erst seit sechs Jahren Messerschmied. Dennoch reißen sich die die berühmtesten Chefköche der Welt um seine Klingen. Seine Einfachstahl-Klingen sind eine Homage an Maniago der größten Ansammlung an Messer und Besteck-Schmieden in Italien. Seine Messer sind aus einlagigem Kohlestahl, die weder mehrfach gefaltet noch mit Säure behandelt werden. Das Design ist verwandt mit Japanischen Messer-Typen wie beispielsweise dem Gyuto, dem Fleischmesser. Nur, dass Micheles Messer besonders einfach gehalten sind. Deren Markenzeichen: die schwarzen, groben Hammer-Marken, die der riesige Schmiedehammer hinterlässt. Das präferierte Holz für die Griffe ist Weidenholz, welches gleich hinter der Schmiede im Überfluss wächst. Da er ein leidenschaftlicher Angler und Berggeher ist, findet er auf seinen Touren in den benachbarten Bergen und Flüssen auch exklusiveres Material.

Maniago. Ein grell sonniger Tag im September. High Noon. Gerade habe ich mein Auto vor der Antica Forgia geparkt und finde diese verschlossen. Ich rufe Michele an „Ah. Ah! You are the guy with the bible. I am at lunch. Andiamo, I will be with you shortly“ Und kurze Zeit später treffe ich den Maestro: Ein schlanker Typ mit Nickelbrille und einem D’Artagnan-Bärtchen. Er lädt mich in die Schmiede ein, die erst mal nichts anders als ein sehr dunkles Verlies zu sein scheint bis sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben. Es gibt auch kein elektrisches Licht –Strom wird erst mittels Wasserkraft erzeugt, wenn Michele das Wasserrad in dem Strom des draußen vorbeirauschenden Wassers arretiert. Aber erst, Caffe.

Für ihn sind seine Messer nichts anders als rational, sauber gemacht, einfach und …. scharf. Er ist ein Maker, wie er im Buche steht.

Und schon blubbert die Bialetti Mokka ihr Italien-typisches Geräusch während ich in der Schmiede herumstolpere, über Hölzer, Metallteile und Sonstwas und komme aus dem Staunen nicht heraus, das Chaos lichtet sich, je genauer ich Dinge in Augenschein nehme. Da fallen die vielen kleinen Fotos an der Wand auf, Yoji Tokuyoshi oder der kreativste unter den Schnapsbrennern Vittorio Capovilla, auch eines von Antonia Klugmann aus Trieste, Besitzerin des L’Argine a Vencò in Goriza, einer Freundin von Michele.

Ich werde niemals das beruhigende und wahrhaft chillige Gefühl vergessen, während ich da in der jahrhundertealten Schmiede, in der ursprünglich Hufeisen und Wagenräder geschmiedet wurden, stand: Draußen das Vorbeirauschen des Kanals und dann der monoton schlackernde Ledergurt, der die Wasserkraft auf die Aggregate, wie den Amboss oder die Schleifmaschine überträgt.

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Heute, 15 Monate später ist es endlich da, mein Messer! Während ich Gemüse damit schneide oder ein Huhn zerteile, die Verlängerung meines Arms durch Lebensmittel gleitet, denke ich an diesen leidenschaftlichen Schmied der so unheimlich stolz auf die Anerkennung seiner Kunden sein kann. Für ihn sind seine Messer nichts anders als rational, sauber gemacht, einfach und …. scharf. Er ist ein Maker, wie er im Buche steht.

Michael Schmidt