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Robert Condin – Ein Typ aus Metal und Fels

Robert Condin – Ein Typ aus Metal und Fels

Die Alpen, eine Umgebung, die von Felsen und Bergen geformt wurde, die ebenso faszinierend wie einzigartig sind, hat auch die Menschen, die hier leben, geprägt. Diese Perspektiven haben einen ganz besonderen Menschenschlag hervorgebracht. Der Südtiroler Robert Condin ist ein solcher Charakter. Sein bevorzugtes Material ist Metall, aber das Element, das ihn geformt hat, ist definitiv der Fels.

Dies ist die Geschichte von Robert Condin aus Tramin. Ausgebildet als Maschinenschlosser und Schmied studierte er später Bildhauerei. Robert Condin hat Metall mit seiner rauen Beschaffenheit zu seinem Material gemacht, das ihn beruflich und künstlerisch zu einem starken Mann mit einem einfühlsamen Wesen geformt hat.

Robert wurde in eine Metallgießerei hineingeboren, die sein Vater in den 1940er Jahren gegründet hatte. Bereits sein Großvater war Schmied auf einem Bergbauernhof, und Robert Condin selbst wurde als Teenager zum Maschinen- schlosser ausgebildet. Er fügte ein Praktikum als Schmied an und machte 1982 seinen Meister. Zunächst nahm er große Aufträge aus dem fernen München und anderen Orten an, da es im krisengeschüttelten Italien der 1980er Jahre davon kaum welche gab. So wurde ihm der Kampf ums berufliche Überleben schon zu Beginn seiner Karriere vermittelt.

Er war Anfang Zwanzig, machte sich Metall gefügig, arbeitete fast rund um die Uhr in einem schweren, heißen und harten Job, als ihm eines Tages sein Cousin, eine leitende Persönlichkeit im lokalen Alpenverein eine Chance gab, die sein Leben veränderte.

Die Berge lehrten ihm Lektionen für das Leben

Bei seinen Bergtouren hat er viele Lektionen fürs Leben gelernt. Er ist extreme und legendäre Routen in den Südtiroler Alpen gegangen. Natürlich nahm seine kleine Gruppe von Kameraden Seile mit, um sich an wichtigen Punkten zu sichern, aber oft stellten sie nach dem Erreichen des Gipfels fest, dass sie diese nicht ein einziges Mal benutzt hatten!

„Es gab Wege, die wir auch bei schrecklichem Wetter geklettert sind, wo andere sagten: ‚Ich habe genug, nicht mehr, nie mehr‘, aber nicht ich. Für mich hieß es immer: mehr!“, sagt Robert und grinst, als er sich an einen seiner Leitsätze erinnert. „Wenn du in extremen oder schwierigen Situationen bist, gibt dir die Erfahrung, sie überwinden zu können, ein Gefühl von Freiheit und Freude, welches deinen Charakter wachsen lässt.“ „Timing ist alles. Vor allem, wenn du in einer Felswand hängst. Man muss beharrlich sein.“ In solchen Momenten empfindet man eine Stunde wie einen ganzen Tag oder einen Tag wie eine ganze Woche. Er beschreibt es so: „Wenn du in der Luft hängst und die Erde ganz weit unter sich hat, dann musst du einfach weitermachen.“

Zeit: Der Schlüssel zum Überwinden von Bergen und zum Formen von Metall

Ein paar Nächte musste er in der Wand verbringen, die er bezwingen wollte. Seine Leute im Tal wussten nicht, was los war. Die Kraft des puren Felsens hat jedoch seinen Charakter geformt. Und er kehrte immer wieder nach Hause zurück.

Wenn er Zweifel an seiner Arbeit empfand, gaben ihm diese Erfahrungen Zuversicht. Trotzdem wollte er noch mehr und wandte sich fortan auch der Kunst zu. In München, wo er an der Akademie der Künste Bildhauerei studierte, traf er auf Professor James Reineking, der ihm die akademischen Grundlagen vermittelte, dank derer er das Material seiner Wahl noch besser verstehen konnte. Robert Condins Instinkt wurde zur Methode und Ausdruck seines unverwechselbaren Stils.

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Reineking arbeitete hauptsächlich mit einem flachen Stück Metall, das er dann so lange bog, schnitt, schweißte und nochmals bog, bis aus einer zweidimensionalen Platte eine dreidimensionale Skulptur entstand. Der Betrachter des fertigen Stücks versucht, die Teile in seiner Vorstellung zum ursprünglichen, zweidimensionalen Ganzen zurückzubiegen und so den Herstellungsprozess zu begreifen. Robert verfolgt bei seinen Kunstwerken ein ähnliches Konzept und zeigt den Kontrast zwischen der Stärke und der Robustheit des Metalls und seiner Fähigkeit, sich flexibel zu biegen und zu formen. Seine Skulpturen drücken diese Spannung aus und wirken manchmal schwebend und fast zart.

Robert Condin mit einer seiner Skulpturen.

Mit Glück fand Robert den perfekten Ort um seine Kunstwerke zu „parken“, bis sie wieder ausgestellt oder verkauft werden. Hoch über Tramin liegt gleich neben einer Hauptwanderroute ein Weingut und direkt daneben eine ausgediente Pferdekoppel auf einer Hochebene. Hier harren die Metallkreationen aus. Doch sie tun es nicht ganz still. Hat man diesen Skulpturenpark gefunden und steht ganz still, während man hinunter auf die Weinberge und Apfelgärten Südtirols schaut, kann man dem Gesang der Skulptur des Windschneiders lauschen.

Robert Condin in der Maxburg Galerie München